Mitteilungen Brookfield

    EIN JAHR DONALD TRUMP

    Verschwiegenheit, Widerstand, Angst

    Blick auf Seligenstadts Partnerstadt Brookfield

    Brookfield - No Kings

    Wie hier in Los Angeles, sind auch in Brookfield im vergangenen Juni zahlreiche Menschen gegen Trumps Politik auf die Straße gegangen. © Kyle Grillot/EPA (Symbolbild)

    Brookfield/Seligenstadt – Auf Seligenstadts Partnerstadt Brookfield im Bundesstaat Wisconsin lag vor der Wahl im November 2024 besonders viel Aufmerksamkeit. Weil die Stadt in einem sogenannten „Swing State“ liegt, hat sich auch dort die Wahl entschieden. Bürgermeister Steve Ponto vermutete damals auf Nachfrage unserer Redaktion, dass Trump in Brookfield eine eindeutige Mehrheit bekommen würde – und so kam es auch. Der Großteil der Wahlbezirke ging an den Republikaner.

    Ein Jahr nach Trumps Amtseinführung wollten wir wissen, wie die Stimmung in Brookfield heute ist. Ist die Aufmerksamkeit für Trumps politische Entscheidungen – wie den Einsatz der Nationalgarde und der ICE-Beamten oder den Plan, Grönland einzunehmen – dort genauso hoch wie in Deutschland? Wie groß ist die Zustimmung für ihn heute? Und was merkt man von der Präsidentschaft direkt in der Stadt?

    Thorsten Bonifer, Vorstandsmitglied des Europäischen Freundeskreises in Seligenstadt und zuständig für die Städtepartnerschaft mit Brookfield, war zuletzt Anfang Dezember in den USA. Als Tourist bekomme man von Trumps Präsidentschaft dort relativ wenig mit, erzählt er. Auch im Zwischenmenschlichen sei die Politik in der Regel kein Thema. „Nur wenn man die Leute direkt darauf anspricht, bekommt man eine eindeutige Meinung. Da gibt es nur Schwarz und Weiß.“ Angesichts der zwei politischen Lager aus Demokraten und Republikanern sei das aber auch in früheren Jahren schon so gewesen.

    Auffällig ist allerdings: Von vier angefragten Einwohnern in Brookfield, deren Namen der Redaktion bekannt sind, aber zu ihrem Schutz nicht genannt werden, hat niemand unsere Fragen beantwortet. Als Mitglied einer wohltätigen Vereinigung sollte er sich nicht öffentlich dazu äußern, schrieb einer der Befragten. Ein weiterer, eingebürgerter Immigrant, fürchte, dass ein Ausbürgerungsverfahren gegen ihn eingeleitet werden könnte, wenn er sich zu Trumps Politik äußere. „Vielleicht sagt das schon viel aus“, schreibt er auf die Anfrage der Redaktion. Steve Ponto, der im April erneut als Bürgermeister von Brookfield kandidiert, hat unsere Fragen bis zum Redaktionsschluss nicht beantwortet.

    Keine Sorge um Austausch

    Kelsie Pattillo, Lehrerin in Brookfield, berichtet ebenfalls, dass in Amerika selten über Politik gesprochen werde. Sie selbst dürfe sich als Lehrerin nicht zu politischen Themen äußern. Wie schon vor dem letzten Wahlkampf hätte sie sich vor dem Schüleraustausch mit der Einhardschule im vergangenen Jahr Gedanken gemacht, ob es Probleme bei der Einreise der deutschen Schüler geben könnte. Ihre Schüler seien zudem nervös gewesen, ob sie in Seligenstadt nach ihrer politischen Meinung gefragt würden. „Es war eine große Erleichterung, wieder in Seligenstadt anzukommen und zu erfahren, dass wir uns (wieder) herzlich willkommen fühlten“, erklärt sie.

    Auch bei der Einreise habe es bisher keine Probleme gegeben, wie Thorsten Bonifer auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt. Um die künftigen Austausche mache er sich keine Sorgen. Zwar habe es auf der deutschen Seite im vergangenen Jahr weniger Anmeldungen gegeben, das Interesse sei aber weiterhin da. Der Austausch bleibe wichtig, sagt auch Kelsie Pattillo. „Wir haben eine starke Verbindung und ich denke, das ist noch wichtiger, wenn die große politische Lage unsicher aussieht“, erklärt sie.

    Tatsächlich hat sich auch in Brookfield 2025 Widerstand gegen den US-Präsidenten formiert. Bei einer „No-Kings“-Demonstration im Juni gingen zwischen 850 und 1000 Menschen in Seligenstadts Partnerschaft auf die Straße, um gegen Trumps Politik zu protestieren. Gleichzeitig fand sich die Gruppe „Brookfield Resist“ zusammen, die seitdem weitere Demonstrationen organisiert. Damit wolle man zeigen, dass sie unter anderem die „autoritäre Übernahme der Regierung, die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung (…) und die grausamen Handlungen gegen Immigranten“ verurteile, schreibt die Gruppe auf ihrer Website. „Stand up for democracy“ (Steht auf für die Demokratie) oder „Fund healthcare, not ICE“ (Finanziert das Gesundheitswesen, nicht ICE) stand auf ihren Plakaten, mit denen zuletzt am 10. Januar laut eigenen Angaben knapp 225 Menschen in Brookfield protestiert hatten.

    LAURA OEHL

    Quelle: Mittwoch, 21. Januar 2026, Offenbach-Post / Seligenstadt/Hainburg/Mainh.